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Technik

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Interview von Maren

Dipl.-Ing. Maren Heinzerling hat eine beeindruckende Karriere als Ingenieurin hinter sich. Auch heute, im Ruhestand, ist sie als Mitglied beim DAB, dib; VDI und DMG hervorragend vernetzt und beteiligt sich an zahlreichen Aktivitäten.

Studienwahl

Nach ihrem Abitur entscheidet sich Maren Heinzerling für ein Maschinenbau-Studium. Aus einer Ingenieurfamilie kommend ist das für sie die normalste Entscheidung der Welt: „Mein Vater war mein großes Vorbild. Ich wollte dasselbe machen wie er. Es war mir nicht bewusst, dass Maschinenbau für eine Frau 1958 etwas Ungewöhnliches darstellte.“ Vor Studienbeginn absolviert Maren Heinzerling ein sechsmonatiges Praktikum bei der Lokomotivfabrik Krauss-Maffei in München. „Das war seinerzeit schwierig zu organisieren, weil es keine Arbeiterinnen gab, somit auch keine Damentoiletten, keine Damenumkleideräume.“ Nach einer vierwöchigen Anfangsphase in der Lehrschlosserei wird sie in die Gießerei und Formerei versetzt. „Mir hat das viel Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war; ich denke, ich konnte sogar, die Anerkennung der zunächst recht skeptischen, bayrischen Arbeiter gewinnen.“ Im Anschluss an das Praktikum nimmt Heinzerling im Herbst 1958 ihr Studium an der Technischen Hochschule in München auf. Aufgrund ihrer humanistischen  Schulbildung fehlen ihr wichtige mathematische und physikalische Vorkenntnisse; die Anfangsphase des Studiums ist schwer. Doch sie studiert sehr gewissenhaft und nach einer Weile wird ihr klar, dass einige Kommilitonen sich gleichfalls mit mathematischen Aufgaben schwer tun, obwohl sie es ihr gegenüber nie eingestehen. Das wird ihr erst klar, als der Nebenmann im Vorexamen bei ihr abschreibt.

Karriere

Im Sommer 1964 macht Heinzerling, kurz nach der Geburt ihres Sohnes, ihr Diplom. Die frühe Schwangerschaft macht ihr den Abschluss des Examens schwer. Doch sie beendet ihr Studium fristgerecht, bekommt sogar eine sehr spannende Diplom-Aufgabe: als eine der ersten TH-Diplomandinnen untersucht sie den Verlauf von Fahrzeugschwingungen auf einem Analogrechner. Ihre Vorkenntnisse auf einer elektronischen Rechenanlage sind sicher mit ein Grund dafür, dass sie 1964 als Teilzeit-Ingenieurin in der Zentralen Berechnungsabteilung von Krauss-Maffei eingestellt wird. Neben gängigen Berechnungsaufgaben für die Konstruktionsabteilung erhält sie den Auftrag, wiederkehrende technische Berechnungen auf ihre Eignung zur Bearbeitung auf einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage (EDV) zu identifizieren und zu programmieren. 1964 ist das eine Schlüsselaufgabe. Nach Anfangserfolgen hätte sie diese Thematik nur zu gern weiter bearbeitet. Doch da treten plötzlich Probleme mit der Betreuung ihres Sohnes auf und sie kündigt kurz entschlossen. Nur widerwillig lässt ihr Chef sie gehen und auch ihr Mann [gleichfalls Maschinenbau-Ingenieur] ist bestürzt, als er auf einer Dienstreise von ihrer Entscheidung hört. 1969 wird ihr zweites Kind, eine Tochter, geboren. Während der Familienpause verfolgt sie verschiedenste Nebenbeschäftigungen: sie gibt Nachhilfestunden in Mathematik und Latein, sie arbeitet freiberuflich als Lektorin beim Siemens Fachbuchverlag und sie verkauft Eier für einen Bauern aus dem Umland. 1974 bietet  ihr der Siemens Fachbuchverlag eine Festanstellung an. Das ist für sie der Anlass, bei Krauss- Maffei anzufragen, ob sie Chancen hätte, wieder eingestellt zu werden. Sie hat Chancen, sogar recht gute. Und so fängt sie 14 Tage später nach über 9-jähriger Familienpause als Teilzeit-Ingenieurin in der Systemtechnik des elektromagnetischen Nahverkehrsystems Transurban an. Das Projekt Transurban wird jedoch fünf Monate später gestoppt; 250 Mitarbeiter werden entlassen. Maren Heinzerling bietet man eine Stelle in der Arbeitsgemeinschaft Transrapid an. Sie hatte die Schwierigkeiten der Transurban-Entwicklung anhand ihrer systemtechnischen Analysen bereits drei Monate nach ihrem Wiedereinstieg richtig vorausgesagt. Das bewahrt sie vor einer Kündigung in der Probezeit. So wechselt sie zur Systemtechnik des elektromagnetischen Fernverkehrssystems Transrapid. Auch hier sieht sie alsbald keine Marktchancen, lässt sich später in die Entwicklung von Rangierlokomotiven versetzen und wechselt 1983 in die Instandhaltung, um das von ihr ausgearbeitete neue Wartungskonzept in die Praxis umzusetzen. Die Arbeit mit den Monteuren macht ihr Spaß, zumal sie einige Werkstattleute noch aus ihrer Praktikumszeit kennt. Die Heinzerlings bewohnen ein Eigenheim in Ottobrunn. Ottobrunn liegt im Süden Münchens, Krauss-Maffei im Norden. Marens tägliche Fahrzeit beträgt drei Stunden, und das bei einer vierstündigen Teilzeittätigkeit. Daher wechselt sie 1984 zur MBB Verkehrstechnik in Ottobrunn. Jetzt kann sie in zehn Minuten im Büro sein. Dort ist sie – nach wie vor auf Teilzeit - in der Systemtechnik und im Marketing tätig. Sie weiß ihre Kinder gut aufgehoben, denn MBB hat eine Einrichtung, die es nur in wenigen Firmen gibt: Schulkinder werden jeden Tag mit dem Bus aus der Schule abholt und können mit ihren Eltern in der Kantine essen und dabei die neuesten Schulerlebnisse erzählen. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: die Firma der Eltern ist keine Blackbox für die Kinder; sie können sich etwas darunter vorstellen 1990 wird der Bereich MBB-Schienenfahrzeuge von AEG übernommen. 1992 – ihre Kinder sind mittlerweile aus dem Haus – beginnt Maren Heinzerling wieder Vollzeit zu arbeiten. 1993 wird sie geschieden. Einen Monat nach ihrer Scheidung bekommt sie das Angebot als Vertriebsleiterin für Gesamtbahnsysteme in Asien, Afrika und Australien nach Berlin zu gehen. Maren Heinzerling nimmt sofort an. „Das war ein Traumangebot für mich. In einem solchen Fall ist Zögern nicht angebracht, sonst ist die Chance vom Tisch.“ Der Umzug bedeutet eine große Umstellung. Nach 35 Jahren in München zieht sie in eine halbmöblierte Wohnung in Berlin-Wedding. Sie lebt sich ein; viel Freizeit hat sie ohnehin nicht, ist ständig auf Reisen. Im Verlauf  eines Jahr sammelt sie 300.000 Flugmeilen, fliegt allein sechsmal nach Bangkok. „Als ich mich dann (1996) entschloss, in Berlin zu bleiben, habe ich mir eine Wohnung am Lietzensee gekauft.“ Mitten im Umzug bekommt sie einen Anruf aus Malaysia: Ob sie als Claimmanagerin nach Kuala Lumpur gehen wolle, man habe eine erhebliche Lieferverzögerung bei der Inbetriebnahme der Stadtbahn, es drohe eine empfindliche Konventionalstrafe, das müsse abgewendet werden. Für 15 Monate bezieht sie in Kuala Lumpur ein Apartmenthaus für Expatriates mit Swimmingpool und Blick auf die Petronas-Türme. Diese Zeit bezeichnet sie als die schönste Zeit ihres Lebens. Ihre Arbeitszeit beträgt 50h/Wo. Nur ungern kehrt sie nach Berlin zurück. Ende 2000 steht fest, dass die Abteilung „Gesamtbahnsysteme“ nach Derby in England verlagert werden soll. Sie will nicht mitziehen sondern geht Ende 2000 im Alter von 62 Jahren in Rente. Auch in ihrem Ruhestand ist sie weiter aktiv. Durch ihre Mitgliedschaft im Deutschen Akademikerinnenbund (DAB), im deutschen ingenieurinnenbund (dib), im Verein Deutscher Ingenieure VDI) und in der (DMG) ist sie bestens vernetzt, kann über diese Kanäle einiges erreichen und ist schon immer zu zahlreichen Aktivitäten außerhalb ihres Berufsfeldes angeregt worden. Auf dem VDI-Tag in Aachen hält  sie 1989 einen Vortrag über "Frauen-Fördermaßnahmen bei der Firma MBB". „Damals habe ich intensiv darüber nachgedacht, mit welchem Konzept man die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle Teile annehmbar realisieren könne. Eine längere Familienpause kommt nach meiner Meinung nicht infrage. Ich hatte ja selbst erlebt, wie schwer es ist, nach 10 Jahren Unterbrechung wieder im Beruf Fuß zu fassen. Ich habe daher eine partnerschaftliche Aufgabenteilung im Haushalt vorgeschlagen und Teilzeit für Mann und Frau propagiert, wohlgemerkt Teilzeit nicht Halbtagstätigkeiten.“ Seit 1986 arbeitet sie im DAB-Arbeitskreis „Frauen in Naturwissenschaft und Technik“ mit, ist 1988 bis 1990 bei dem ungewöhnlichen Stand „Frau + Technik“ auf der Hannover Industriemesse mit von der Partie und setzt sich zusammen mit den Arbeitskreisfrauen immer wieder für die Akzeptanz von Frauen im Ingenieurberuf ein. „Mein Beruf hat mich nicht nur wirtschaftlich unabhängig gemacht, ich habe durch ihn auch viel gelernt, viel gesehen, habe Freundschaften geknüpft und bin weit herum gekommen. Mein Beruf war immer mein bester und zuverlässigster Freund. Ich wollte gern vielen jungen Frauen zu diesem vielseitigen und für die Gesellschaft so wichtigen Beruf verhelfen. Das ist der Grund, weshalb ich für den Ingenieursberuf werbe“, begründet sie ihre zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten Am 15.03.1990 initiiert sie im Rahmen des Arbeitskreises „Gymnasium und Wirtschaft“ der Firma MBB den „1.Münchner-Mädchen-Technik-Tag“, dem sie dank ihrer Vernetzung  zu bundesweiter Nachahmung verhilft. 2001 wird er modifiziert und als Girls'Day bundesweit durchgeführt. Bei den Vorbereitungen zum „1.Münchner-Mädchen-Technik-Tag“ bekommt sie Kontakt mit den Frauenbeauftragten der Technischen Hochschule und der Fachhochschule München und entwickelt zusammen mit ihnen eine Vortagsreihe „Studium – und danach?“, bei der Ingenieurinnen vor Studentinnen und Studenten aus ihrem Berufsleben berichten. Nach ihrer Pensionierung reist Maren Heinzerling immer wieder für einige Wochen mit dem Rucksack durch Asien. Doch dann wird sie sesshafter und ärgert sich über die Informationsdefizite im öffentlichen Nahverkehr. Sie gründet 2001 zusammen mit drei Ingenieurinnen einen VDI-Arbeitskreis „Multimobil“, stellt die Verbesserungspotenziale zusammen und wendet sich an die Verkehrsexperten aller Parteien im Senat. „Wir haben in Berlin vielleicht etwas mehr Bewusstsein für die Problematik geschaffen. Erreicht haben wir leider nur einen kleinen Bushinweis auf allen blauen Touristenschildern. Das ist nicht die Welt, aber er erfreut mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe“.  

Einsatz für MINT

Als die anderen Multimobil-Ingenieurinnen aus beruflichen Gründen wegziehen, wendet sich Maren Heinzerling einem anderem Thema zu  Zusammen mit der Bürgerstiftung Berlin ruft sie Anfang 2007 das Projekt „Zauberhafte Physik in Grundschulen“ ins Leben, bei dem IngenieurInnen im Ruhestand zusammen mit Auszubildenden und Studierenden in Grundschulen gehen, um mit sieben- bis  zwölf-jährigen Kindern physikalische Experimente durchzuführen. Begonnen hat sie mit einer Schule in Berlin-Charlottenburg, 12 Luft-Experimenten, einer Freundin und einem Kollegen. Inzwischen hat sie zusammen mit ihrem Team aus 45 Physikpaten über 100 Experimente entwickelt und über 30 Berliner Grundschulen betreut. Ihr Team ist jede Woche sechsmal im Einsatz und experimentiert Monat für Monat mit 500 bis 600 Grundschulkindern. Inzwischen hat sie mit der Bürgerstiftung Erlangen ein ähnliches Projekt ins Leben gerufen und ist mit verschiedenen anderen Stiftungen und Verbänden im Gespräch. Sie möchte die vielen MINT-SeniorInnen (MINT = Mathematik –Informatik – Naturwissenschaft – Technik) in die Bildungsarbeit integrieren und ihnen eine sinnvolle Altersaufgabe geben, die in den früher üblichen Drei-Generations-Familien wie selbstverständlich wahrgenommen wurde, nämlich: Die Weitergabe des in einem langen Leben gewonnenen Wissens an die jüngere Generation.   Für Ihren ehrenamtlichen Einsatz hat Maren Heinzerling 2009 das Bundesverdienstkreuz erhalten; 2011 wurde sie von der MINT-Initiative – Zukunft schaffen als MINT-Botschafterin ausgezeichnet.  

Dieses Interview wurde geführt im Projekt "MINT-Weibsbilder", ein Teilprojekt des Verbundvorhabens „MINT Role Models – Ein integratives Konzept zur nachhaltigen Steigerung des Anteils von Frauen in MINT-Berufen″. Es wurde im Rahmen des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.″ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.  

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