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Technik

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Interview von Eveline

Prof. Dr.-Ing. Eveline Gottzein entwickelt schon während des Studiums das „Model zur Synthese und Analyse (MOSYAN)“, welches 1957 eine Attraktion auf der Leipziger Frühjahrsmesse wurde. Heute gilt sie als Expertin für die Lage- und Bahnregelung von Satelliten und die Regelung von Trag- und Führungssystemen für Hochgeschwindigkeits-Magnetbahnen.

Studienwahl

Prof. Dr.-Ing. Eveline Gottzein gilt als Expertin für die Lage- und Bahnregelung von Satelliten und die Regelung von Trag- und Führungssystemen für Hochgeschwindigkeits-Magnetbahnen. Frau Gottzein ist in Leipzig geboren und aufgewachsen. Sie interessierte sich schon in ihrer Kindheit für Technik und für „Dinge, die fliegen. Das waren damals Flugzeuge, Satelliten gab's ja noch nicht (…)“. Schon damals wollte sie Segelfliegerin werden und baute mit Unterstützung ihres Vaters Modelflugzeuge. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs absolvierte sie eine betriebliche Ausbildung zur Elektrotechnikerin am Rundfunk- und Fernmeldetechnik Werk Leipzig (RFT), da ihr in der DDR wegen ihrer bürgerlichen Herkunft der Hochschulzugang zunächst verwehrt wurde. Aufgrund ihrer Beharrlichkeit, Fleiß und Begabung wurde Eveline Gottzein von ihrem Unternehmen zum Studium „delegiert“ und konnte schließlich das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität in Dresden beginnen. Nach ihrem Vordiplom wechselte sie zu den Fächern Mathematik und Physik. „Bei der RFT habe ich auch mit rückgekoppelten Verstärkern gearbeitet. Das war meine erste Berührung mit der Regelungstechnik, die mich schon damals fasziniert hat und die mein späteres Berufsleben bestimmen sollte. In der Regelungstechnik braucht man viel mehr Mathematik, als man normalerweise als Ingenieur mitbekommt und solides physikalisches Verständnis“. Eveline Gottzein begann, noch vor Studienende, etwas zu entwickeln, was es bis dato in dieser Form noch gar nicht gab: Elektronische Simulationsanlagen zur Simulation komplexer industrieller Prozesse. Die Anlage hieß „Model zur Synthese und Analyse (MOSYAN)“ und war 1957 eine der Attraktionen auf der Leipziger Frühjahrsmesse. Gegen Ende ihres Studiums flüchtete sie schließlich in den Westen, wo sie 1957 ihr Studium der angewandten Mathematik und Regelungs- und Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt fortsetzen konnte.

Karriere

Während dieser Zeit arbeitete sie als Application Engineer bei Electronic Associates Inc. im Europäischen Simulationszentrum in Brüssel. 1959 wechselte Eveline Gottzein zur Bölkow KG, einem Hersteller von Hubschraubern, Flugzeugen und Lenkflugköpern in Ottobrunn bei München, einem Unternehmen, aus dem 1968 die Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB GmbH) hervorgegangen ist. Das Unternehmen ist heute Teil der European Aeronautic, Defence and Space Company N.V. (EADS N.V.). Durch die Mitarbeit am Tieffliegerabwehrsystem ‚Roland‘ der Europa-Rakete, einem Vorläufer von ‚Ariane‘, und dem ersten deutsch-französischen Nachrichtensatelliten war Eveline Gottzein maßgeblich an der Vertiefung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in der Wehr- und Raumfahrttechnik, und damit dem Zusammenwachsen europäischer Technik-Kooperation beteiligt. 1983 promovierte Eveline Gottzein an der Technischen Universität München zu dem Thema "Das Magnetische Rad als autonome Funktionseinheit modularer Trag- und Führungssysteme für Magnetbahnen" und zehn Jahre darauf (1993) bekam sie als erste Frau den Werner-von-Siemens-Ring, 1998 den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst und 2000 das große Bundesverdienstkreuz. Im Oktober 2011 wurde ihr von der Technischen Universität München der Ehrentitel „TUM Distinguished Affiliated Professor“ verliehen. Auch internationale Anerkennung fehlt nicht. Frau Gottzein ist Fellow des „American Institutes of Aeronautics and Astronautics (AIAA)” und der „International Federation on Automatic Control (IFAC)“.

Persönliches Statement

Jungen Studentinnen und Schülerinnen rät sie „sich frei zu machen von den Gefühlen: ‚Weil ich eine Frau bin, habe ich es besonders schwer.‘ Das Wichtigste ist, völlig unvoreingenommen da heranzugehen, eine Arbeit zu wählen, die einen fasziniert und begeistert und sich zu trauen. (…) Bangemachen gilt nicht. Einfach an die Sache herangehen und es machen. Aber ich meine, das ist natürlich Arbeit, das ist harte Arbeit“. Was Eveline Gottzein unter anderem auszeichnet ist neben ihrer großen Begabung besonders ihre außerordentliche Beharrlichkeit und Unerschrockenheit, mit der sie ihre Ziele verfolgt und Forschungen voran treibt - was letztlich zu solch einer beispiellosen Karriere geführt hat.

 Dieses Interview wurde geführt im Projekt "MINT-Weibsbilder", ein Teilprojekt des Verbundvorhabens „MINT Role Models – Ein integratives Konzept zur nachhaltigen Steigerung des Anteils von Frauen in MINT-Berufen″. Es wurde im Rahmen des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.″ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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