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Interview von Dyane

Dyane ist Projektleiterin bei der Audi AG und 38 Jahre alt. Sie hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und macht in ihrer Freizeit Traithlon.

Was und an welcher Hochschule haben Sie studiert?

Ich habe von 1993 bis 1999 an der Fachhochschule in Jena –damals noch als Diplomstudiengang-Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Meine Vertiefungsrichtung im Hauptstudium war Produktionstechnik/-management.

Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren? Haben Sie erst eine andere Richtung eingeschlagen?

Mein Traum war es eigentlich einmal Archäologin zu werden darum habe ich auf dem Gymnasium den sprachlichen Zug mit Latein eingeschlagen. Aufgrund der doch eher schlechten Berufsaussichten habe ich dann nach Alternativen gesucht. Auf den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen bin ich über einen Zeitungsartikel gestoßen. Interessant fand ich damals die vielfältigen Möglichkeiten für den späteren beruflichen Einsatz. Technik hat mich schon als Kind interessiert ich habe die Matchboxautos den Puppen immer vorgezogen.

Hatten Sie vor oder während des Studiums bereits praktische Erfahrungen in Form von Nebenjobs, Ferienjobs, Teilnahme am Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag, Praktika, Werkstudentinnentätigkeiten?

Vor Studienbeginn hatte ich bereits einige Neben- und Ferienjobs im technischen Umfeld, z.B. im Bereich Kabelkonfektionierung und Logistik im Bereich Kfz-Ersatzteile.
Im Studium gab es dann auch 2 Praxissemester. Das Erste beinhaltete unter anderem einige Wochen in der Lehrwerkstatt bei Mercedes mit den Klassikern Feilen, Drehen, Fräsen und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das Praxissemester im Hauptstudium war dann im Bereich Produktionsplanung bei Siemens und hat mich in meiner Entscheidung beruflich in der Technik zu starten nochmals bestärkt.

Haben Sie ein Auslandsstudium absolviert? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Ich habe ein Semester in England an der University of Portsmouth verbracht. Neben dem Kennenlernen von Land und Leuten, Verbessern der Sprachkenntnisse war mir bei der Auswahl der Studienfächer wichtig ergänzende Inhalte zum Studium in Deutschland zu wählen auch wenn das bedeutete, dass die erworbenen Scheine und Leistungsnachweise in Deutschland nicht anerkannt wurden. So habe ich zum Beispiel Spanisch als weitere Fremdsprache begonnen sowie Kurse in Handelsrecht und Organisationsverhalten belegt.
Sich ganz auf sich alleine gestellt in einem fremden Land zurechtzufinden und zu organisieren ist natürlich auch immer ein Gewinn für die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein.

Welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?

Von Vorteil für die Entscheidung ist es immer wenn man eine Möglichkeit hat in das reale Berufsumfeld und die Tätigkeit hinein zu schnuppern sei es über ein Praktikum, den Girls Day oder indem man einfach mal ein Elternteil, Verwandten, Bekannten in einem entsprechenden Beruf für einen Tag begleitet.
Ich glaube vielen ist auch noch nicht bewusst, dass ein MINT-Beruf nicht nur mit „Forschen“ im stillen Kämmerlein zu tun hat sondern auch viel Kommunikation, Präsentation und Austausch mit anderen Menschen beinhaltet. Wichtig finde ich auch sich von seinem Studienwunsch nicht abbringen zu lassen, wenn man erst mal gestartet ist merkt man schnell, dass MINT keine Hexerei ist.

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten mit...

Triathlon, Skifahren im Winter, Lesen

In welcher Position arbeiten Sie?

Ich arbeite in der Technischen Entwicklung als Projektleiterin im Bereich Fahrzeugsicherheit

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und wie dürfen wir uns dieses Arbeitsgebiet vorstellen?

Der Projektleiter koordiniert alle Entwicklungstätigkeiten der Fahrzeugsicherheit bei der Neuentwicklung von Fahrzeugen bis hin zur Gesamtfreigabe des Fahrzeugs. Dies beinhaltet zum Einen die Abstimmung intern mit den Fachabteilungen, welche die Fahrzeugfunktionen des Gesamtfahrzeugs für Front-, Heck- und Seitencrash entwickeln als auch die Koordination der Bauteilentwicklungen wie z.B. Airbags und Gurte. Des weiteren ist der Projektleiter auch derjenige, der die Position der Fahrzeugsicherheit in den Projektgremien des Unternehmens gegenüber anderen Bereichen vertritt und die Umsetzung unserer Anforderungen einfordert und monitort. Es ist also eine klassische Schnittstellenaufgabe bei der man mit sehr vielen beteiligten Bereichen wie Karosserieentwicklung, Interieur und durch die zunehmende Anzahl an Assistenzsystemen immer stärker mit der Elektronik zu tun hat. Auch alternative Antriebe wie z.B. Gas-, Elektro- oder die Hybridfahrzeuge erweitern das Spektrum der Aufgaben. Ich bin momentan gerade für ein Plugin-Hybrid Projekt zuständig

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Meine Arbeitstage sind durch eine Anzahl an regelmäßigen Projektrunden zur internen Abstimmung mit unseren Fachabteilungen oder mit anderen Fachbereichen bereits vorstrukturiert. Die „Lücken“ werden dann zur Bewertung und Diskussion von aktuellen technischen Themen, Vorbereitung von Präsentationen zum Projektstatus, Bewertung neuer technischer Projektinhalte oder technischer Änderungen genutzt.
Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?
In meinen mehr als 13 Jahren Berufspraxis habe ich dazu unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Meist war ich tatsächlich die einzige Frau im Team oder der Abteilung. Meiner Erfahrung nach spielt neben der eigenen Persönlichkeit der Vorgesetzte und sein Verhalten gegenüber Frauen in der Technik hier eine wesentliche Rolle ob man sich als „Quotenfrau“ fühlt oder genauso akzeptiert und gefördert wird wie die männlichen Kollegen. In Gremien mit Beteiligung des oberen Managements hatte ich schon manchmal den Eindruck eines ‚Boys Club‘. Es überwiegen jedoch bei weitem die positiven Erfahrungen.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für dieses Berufsprofil?

Als Projektleiter ist man meist das Bindeglied zwischen verschiedenen Bereichen und Disziplinen. Neben dem technischen Verständnis benötigt man auch Kenntnise im Bereich der Termin- und Budgetplanung, da Entwicklungsumfänge auch mit einer Terminschiene und Kostenaufwand hinterlegt werden müssen. Eine strukturierte Arbeitsweise ist bei diesem breiten und komplexen Themenfeld ebenfalls von Vorteil.
Wer gerne im Team arbeitet, kommuniziert und präsentiert ist als Projektleiter gut aufgehoben. Das jeweils benötigte spezifische Fachwissen musste ich mir auch erst im Job aneignen.

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

Das Arbeitsgebiet ist sehr komplex und breit gefächert und befindet sich in einer permanenten Weiterentwicklung. Angefangen bei der Bauteilentwicklung über Funktionserfüllung aus dem Gesamtfahrzeug. Mit der neuen zunehmend immer Stärkeren Vernetzung im und zukünftig auch zwischen den Fahrzeugen gewinnen die heute schon vorhandenen Systeme zur Assistenz des Fahrers und vorausschauende Systeme noch stärker an Bedeutung. Auch durch die sich regelmäßig weiterentwickelnden Anforderungen aus den Consumer-Rating-Systemen wie Euro NCAP gibt es im Bereich Fahrzeugsicherheit beständig Weiterentwicklungen. Daher sind immer wieder neue Herausforderungen geboten
Natürlich ist es auch ein tolles Gefühl wenn man Fahrzeuge auf der Straße sieht an deren Entwicklung man beteiligt war und man dann sagen kann da Steckt auch ein Teil von mir drin.

Sind Sie in Projekten/Maßnahmen aktiv, die es sich zum Ziel gesetzt haben, junge Menschen für MINT zu begeistern? Wenn ja, wie versuchen Sie, dieses Ziel umzusetzen?

Derzeit bin ich nur als MINT-Role-Model aktiv. In der Vergangenheit habe ich aber schon an diversen Aktivitäten zu diesem Thema teilgenommen. Ich habe z.B. an meiner ehemaligen FH im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen einen Gastvortrag zum Thema Laserschweißen gehalten. Bei einem früheren Arbeitgeber war ich Ansprechpartner und Koordinator für die Auszubildenden während ihrer Ausbildungszeit in unserem Bereich. Für ein Museum, welches Kindern anhand von Mitmach-Exponaten Technik näher bringen möchte, habe ich an der Idee und Umsetzungsmöglichkeiten für ein Exponat zum Thema Crash-wie funktioniert die Knautschzone am Fahrzeug- mitgewirkt.
Solche Themen sind mir wichtig, denn meiner Meinung nach ist das Ziel mehr Mädchen für MINT-Berufe zu gewinnen am besten dadurch zu erreichen ihnen möglichst früh die Berührungsangst vor technischen Zusammenhängen zu nehmen.

Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie zu vereinbaren?

Da ich keine Kinder habe, gestaltet sich das Thema noch relativ einfach. Mein Partner arbeitet im gleichen Unternehmen auch in der Entwicklung und steckt somit im gleichen Arbeitsumfeld. Das gegenseitige Verständnis für die arbeitsbedingten Sorgen und Nöte ist somit schon einmal gegeben. Was in dieser Situation aber auch wichtig ist- das Thema Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. Das gelingt uns sehr gut.
Mit Kind würde ich meinen Partner auf jeden Fall stark mit einbeziehen und mit in die Verantwortung nehmen beginnend beim Thema Elternzeit. Mein Ziel wäre es auch mit Kind wieder Vollzeit einzusteigen. Hier ist natürlich dann auch ein stückweit das Unternehmen gefragt mit einer gewissen Flexibilität wie z.B. Home-Office Tagen.

Welche beruflichen Ziele haben Sie persönlich für Ihre eigene Karriere?

Ich habe in der Vergangenheit bereits Erfahrung mit Führung- und Personalverantwortung sammeln können. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und das kann ich mir auch für die Zukunft wieder vorstellen.

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