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Technik

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Interview von Brigitte

Brigitte Loudovivi ist 58 Jahre und hat Elektrische Netze und Systeme in St. Petersburg studiert. In ihrem Berufsleben fasziniert sie vor allem die Vielfältigkeit der Aufgaben und der Umgang mit Menschen.

Was und an welcher Hochschule haben Sie studiert?

Ich habe an der jetzigen Technischen Universität St. Petersburg in Russland studiert. Zur Klarstellung: Da ich in der ehemaligen DDR aufgewachsen bin, war das ein möglicher Studiengang. Es gab zwischen der DDR und der damaligen Sowjetunion ein Abkommen, das sogenannte Auslandsstudien ermöglichte. Dabei wurden nicht nur ein paar Semester absolviert, sondern das gesamte Studium.
Ich habe dort an der Elektrotechnischen Fakultät Elektrische Netze und Systeme studiert.

Hatten Sie vor oder während des Studiums bereits praktische Erfahrungen in Form von Nebenjobs, Ferienjobs, Teilnahme am Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag, Praktika, Werkstudentinnentätigkeiten?

Das gab es in dieser Form nicht. Allerdings war das Schulsystem der DDR ihren Polytechnischen Oberschulen darauf ausgerichtet praktische Erfahrungen zu sammeln. Zum normalen Unterricht gehörten ganze Unterrichtstage, die in den Betrieben zu absolvieren waren. Das galt für Mädchen wie für Jungen. Wir mussten dort alle in der normalen Produktion mit arbeiten, bzw. waren in den Lehrlingswerkstätten eingesetzt.

Waren Sie in bestimmte Netzwerke oder Hochschulprogramme involviert, die Sie unterstützt haben?

Nein, ich habe später in einem Gremium der „Kammer der Technik“ mitgearbeitet. Das ging dann nach 1991 in den VDE über.

Welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?

Keine Scheu vor der Technik haben. Verschiedene Richtungen ausprobieren und dann entscheiden was den eigenen Neigungen am besten entspricht.

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten mit…

Ich wandere sehr gerne und bin überhaupt viel in der Natur. Außerdem bin ich eine ausgesprochene Leseratte.

Wo arbeiten Sie?

Ich arbeite bei der ABB AG in Mannheim im Angebotswesen für Stationsautomatisierung.

An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit und wie dürfen wir uns dieses Arbeitgebiet vorstellen?

Ich erstelle Angebote und arbeite technische Konzepte aus. So werden in meiner Abteilung z.B. die Steuerungen für große Offshore Windparks in der Nordsee konzipiert und den Errichtern angeboten.

Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Nach 33 Jahren im Beruf habe ich meinen Platz gefunden und werde von meinen männlichen Kollegen geschätzt und akzeptiert. Sicher gab und gibt es schon mal diesen oder jenen Macho-Spruch. Das perlt aber mit entsprechenden Selbstvertrauen und Humor ab.
Fakt ist aber immer noch, als Frau muss man beweisen, dass man (frau) für dieser Tätigkeit geeignet ist. Bei einem Mann wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass er das kann.

Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie zu vereinbaren?

Diese Frage ist eine typisch deutsche Frage und wird vermutlich nur Frauen gestellt. Meine beiden Töchter sind 33 und 30 Jahre alt. Meine älteste Tochter ist bereits Mutter und ging direkt nach dem Mutterschutz wieder in ihren studierten Beruf zurück. Meine jüngere Tochter führt eine Fernbeziehung und hat eine leitende Position inne. Für meine beiden Kindern stellte sich nie die Frage, ob sie auf ihre eigenen beruflichen Ziele und Wünsche verzichten. Da mein Mann und ich es ebenso gehandhabt haben. Auch ich bin immer voll berufstätig gewesen. Also habe ich hier schon mal einiges weitergegeben. Es ist erforderlich sich Hilfe zu holen. Meiner Meinung nach könnte in Deutschland das Betreuungsangebot für Kinder noch verbessert werden. Wichtiger ist jedoch die Grundeinstellung. Dass Frauen voll berufstätig sind, wenn sie Kinder haben, ist leider, meiner Erfahrung nach, in vielen Köpfen noch keine Selbstverständlichkeit, aber Männer steht dieser Fakt gar nicht zur Diskussion. Mit einer guten Organisation in der Familie und einem funktionierenden Netzwerk, können Kinder und Beruf gut mit einander vereinbart werden. Das hat aber nichts mit dem technischen Beruf zu tun. Das ist bei allen berufstätigen Eltern so. Voraussetzung dafür ist jedoch ein Beruf, der einen gewissen Verdienst voraussetzt, denn Kinderbetreuung ist ein hoher Kostenfaktor im Familienbudget.

Welche beruflichen Ziele haben Sie persönlich für Ihre eigene Karriere?

Da ich nun schon 33 Jahre arbeite, ist meine Karriereplanung abgeschlossen. Ich habe Angebotsprojekte geleitet, Projekte als Projektleiterin mit großen Teams abgewickelt und beschäftige mich zurzeit besonders mit Projekten zu erneuerbaren Energien, wie Windparkanbindungen oder Solarparks. Das ist sehr spannend und kann gerne so weitergehen.

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